Venedig, Santorini, Barcelona – überall zu voll? Wir zeigen Alternativen und Strategien gegen Overtourism.
Im Sommer 2024 standen an der Trevi-Brunnen-Absperrung in Rom Schilder, die es ein paar Jahre zuvor noch nicht gebraucht hätte: Zutritt nur noch in Gruppen von maximal 400 Personen, Aufenthaltsdauer 30 Minuten, Eintritt 2 Euro. Im selben Sommer begrenzte Venedig den Zugang zur Altstadt auf 60.000 Tagesbesucher und führte als erste Stadt der Welt eine Eintrittsgebühr für Tagestouristen ein — 5 Euro pro Person. Auf Mallorca gingen Einheimische zum wiederholten Mal mit Spritzpistolen auf Touristen los, die in ihren Wohnvierteln Selfies machten. Was hier passiert, hat einen Namen: Overtourism. Und es ist kein Randproblem mehr, sondern eine der größten Herausforderungen der globalen Reisebranche.
Die Mechanik hinter Overtourism ist simpel und brutal zugleich. Instagram, TikTok und Reiseblogs konzentrieren die Aufmerksamkeit von Milliarden Menschen auf eine Handvoll fotogener Orte. Der Strand von Navagio auf Zakynthos, die Blaue Lagune auf Island, die Treppen von Santorini — sie alle wurden durch virale Posts zu Pilgerzielen einer Generation, die Erlebnisse sammelt wie früher Briefmarken. Dazu kommen Billigflüge und Kreuzfahrtschiffe: Wenn ein 6.000-Passagiere-Schiff in Dubrovnik anlegt, verdoppelt sich die Bevölkerung der Altstadt innerhalb von zwei Stunden. Die Infrastruktur — Wasser, Abwasser, Müllentsorgung, Straßen — ist für solche Massen nicht ausgelegt. Anwohner werden durch Airbnb-Vermietungen aus ihren Vierteln verdrängt, Mieten explodieren, lokale Geschäfte weichen Souvenirshops. In Barcelona hat sich die Zahl der Langzeit-Mietwohnungen im Stadtzentrum seit 2015 halbiert.
Neben den offensichtlichen Kandidaten — Venedig, Barcelona, Dubrovnik, Santorini — gibt es 2026 einige Hotspots, die erst in den letzten Jahren in die Overtourism-Zone gerutscht sind. Die Algarve in Portugal, jahrzehntelang ein entspannter Geheimtipp, kämpft inzwischen mit überfüllten Stränden und Wassermangel im Sommer. Island, das vor zehn Jahren noch 300.000 Touristen pro Jahr empfing, erwartet 2026 über 3 Millionen — bei einer Bevölkerung von 380.000. Die Lofoten in Norwegen, einst ein Ort für hartgesottene Angler und Fotografen, verzeichnen mittlerweile mehr Wohnmobile als Parkplätze, und wilde Camper hinterlassen Müll in der arktischen Landschaft.
Auch in Asien spitzt sich die Lage zu. Maya Bay auf Koh Phi Phi in Thailand musste 2018 für vier Jahre komplett geschlossen werden, weil das Korallenriff durch Touristenboote zerstört wurde. Seit der Wiedereröffnung 2022 ist die Besucherzahl auf 300 pro Tag begrenzt, und es dürfen keine Boote mehr in der Bucht ankern. Bali hat 2024 eine Touristensteuer von umgerechnet 10 Euro pro Person eingeführt, um die Umweltfolgen des Massentourismus zu finanzieren.
Die gute Nachricht ist: Man muss nicht auf Reisen verzichten, um Overtourism entgegenzuwirken. Es reicht oft, drei Stellschrauben zu drehen. Die erste ist das Timing. Die meisten Overtourism-Probleme sind saisonale Probleme. Dubrovnik im Juli ist unerträglich, Dubrovnik im November ist eine der schönsten Städte Europas — mit mildem Wetter, leeren Gassen und Hotelpreisen, die ein Drittel der Hochsaison betragen. Dasselbe gilt für Santorini, die Amalfiküste und praktisch jeden Mittelmeer-Hotspot. Wer in der Nebensaison reist — Oktober bis November oder März bis April —, erlebt dieselben Orte in einer völlig anderen Qualität.
Die zweite Stellschraube ist die Wahl des Ortes selbst. Für jeden überlaufenen Hotspot gibt es eine gleichwertige oder bessere Alternative wenige Kilometer entfernt. Statt Santorini die Insel Milos, statt Dubrovnik die Stadt Kotor in Montenegro, statt Barcelona die Stadt Valencia, statt Hallstatt das Ausseerland, statt der Amalfiküste die Cilento-Küste. Diese Orte bieten dieselbe Schönheit, oft besseres Essen und fast immer authentischere Begegnungen mit Einheimischen. Die Reiseziel-Seiten auf urlaubfinder365.de listen bewusst auch weniger bekannte Destinationen, genau aus diesem Grund.
Die dritte Stellschraube ist das eigene Verhalten vor Ort. Wer in lokalen Restaurants statt in internationalen Ketten isst, in familiengeführten Pensionen statt in Airbnb-Apartments übernachtet und öffentliche Verkehrsmittel statt Taxis nutzt, sorgt dafür, dass Tourismus-Einnahmen bei den Menschen ankommen, die mit den Nachteilen leben müssen. Wer vor dem Urlaub recherchiert, ob der Zielort eine Touristentaxe erhebt oder Besuchergrenzen hat, zeigt Respekt vor dem Ort und seinen Bewohnern. Overtourism ist kein unvermeidliches Naturgesetz — es ist die Summe von Millionen individuellen Entscheidungen, und jede einzelne davon lässt sich bewusst treffen.
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